Promotionen
___Eleonore Freier
Mobilisierung für berufsbezogene Weiterbildung im Strukturwandel (Arbeitstitel)
Betreuung
Prof. Jörg Dinkelaker (PH Freiburg)
PD Malte Ebner von Eschenbach (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg)
Abstract
Angesichts aktueller Entwicklungen wie der Digitalisierung und der Dekarbonisierung wird der berufsbezogenen Weiterbildung eine Schlüsselrolle für die Sicherung von Beschäftigungsfähigkeit und wirtschaftlicher Produktivität zugeschrieben. Die Erhöhung der Weiterbildungsbeteiligung durch den Ausbau von Informations‑ und Vermittlungsangeboten wird vor diesem Hintergrund als wichtiger Schritt zur Bearbeitung wirtschaftlicher Transformationen betrachtet, und von verschiedenen Akteuren im Feld der Erwachsenen‑ und Weiterbildung durch das Anbieten von Beratungen, das Verbreiten und Auslegen von Informationsmaterialien sowie anderen Strategien verfolgt. In dieser Arbeit soll untersucht werden, welches Wissen über Weiterbildungsbedarfe, -beteiligung und -zielgruppen der Konzeption und Umsetzung dieser Strategien zugrunde liegt, und wie die daran beteiligten Akteure dieses Wissen verhandeln. Dafür werden Interviews mit Mitarbeiter*innen von Weiterbildungs‑ und Vermittlungseinrichtungen, ethnografische Protokolle von Veranstaltungen sowie Medien der Ansprache und Öffentlichkeitsarbeit (Flyer, Websites, Info‑Broschüren) erhoben und aus einer wissenssoziologisch‑diskursanalytischen Perspektive qualitativ analysiert.
___Francesca Baker
Die Volkshochschule Groß-Berlin. Eine Programm- und Dokumentenanalyse zur Erwachsenenbildung im Nationalsozialismus
Betreuung
Prof. M. Alke (Eberhard-Karls-Universität Tübingen)
PD M. Ebner v. Eschenbach (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg)
Abstract
Die 1920 auf demokratischen Prinzipien gegründete Volkshochschule Groß-Berlin war eine der größten und richtungsweisenden Einrichtungen innerhalb der Volkshochschulbewegung in der Weimarer Republik. Infolge der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 wurden die Leitung sowie jüdische und offen demokratisch orientierte Lehrkräfte entlassen. Obwohl die meisten der in der Weimarer Zeit gegründeten Volkshochschulen von den Nationalsozialisten geschlossen oder in Volksbildungsstätten des Deutschen Volksbildungswerks umwandelt wurden, bestand die ‚gesäuberte‘ Volkshochschule Groß-Berlin noch bis Kriegsende 1945. Zwar liegen einzelne Untersuchungen zu ihrer Bildungsarbeit in der Weimarer Zeit vor, es ist bislang aber wenig über den Fortbestand und die Ausrichtung der Volkshochschule Groß-Berlin im NS-Staat bekannt. Angesichts ihrer besonderen Stellung in der Volkshochschulbewegung eignet sie sich, um neue Erkenntnisse zu der in der Erwachsenenbildungsforschung wenig untersuchten Zeit des Nationalsozialismus zu gewinnen.
Dementsprechend geht das historiographische Promotionsvorhaben den folgenden Forschungsfragen nach: Wie hat sich die Erwachsenenbildungsarbeit der Volkshochschule Groß-Berlin im Übergang von der Weimarer Republik zum Nationalsozialismus entwickelt? Inwiefern hat sich die Organisation zwischen 1933 und 1945 institutionell und programmatisch an das nationalsozialistische Regime angepasst, und welche Elemente der Kontinuität aus der Weimarer Zeit blieben bestehen? Welche Erkenntnisse über die historische Entwicklung der deutschen Erwachsenenbildung während der Zeit des Nationalsozialismus können aus der Geschichte dieser „Vorzeigeorganisation“ gewonnen werden?
Grundlage der Untersuchung bildet ein umfangreicher Quellenbestand zur Volkshochschule Groß-Berlin aus verschiedenen Berliner Archiven, zu dem jährliche Kursprogramme, Mitteilungsblätter, interne Korrespondenz und über 300 Personalbögen von Lehrkräften (aus den Jahren 1939-1944) gehören. Mit Rückgriff auf die Methoden der quantitativen und qualitativen Inhaltsanalyse zielt die Programm- und Dokumentenanalyse darauf ab, die historische Entwicklung der Volkshochschule Groß-Berlin zwischen 1933 und 1945 hinsichtlich ihrer strukturellen Organisation, ihres Kursangebots, ihres Personals, und ihrer politischen Positionierung nachzuzeichnen, insbesondere vor dem Hintergrund der Veränderungen, die durch den Regimewechsel und den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges hervorgerufen wurden.
___Maike Hoffmann
Betty Heimann (*1888 – †1961) – Die wissenschaftliche Pionierin der Universität Halle-Wittenberg
Betreuung
Prof. Esther Berner (Helmut-Schmidt-Universität / Universität der Bundeswehr Hamburg)
PD Malte Ebner v. Eschenbach (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg)
Abstract
Trotz wachsenden Interesses an der Geschichte von Wissenschaftlerinnen ist die Biographie der Indologin Betty Heimann (*1888 – †1961) bislang nur ansatzweise erschlossen. Heimann entstammt einer jüdischen Familie aus Hamburg. Anfang des 20. Jahrhunderts war sie die erste weibliche, habilitierte Privatdozentin an der Universität Halle. Sie wurde später Dozentin an der „School of Oriental and African Studies“ in London und ordentliche Professorin für Sanskrit und indische Philosophie an der Universität in Sri Lanka. Als jüdische Wissenschaftlerin Anfang des 20. Jahrhunderts bewegte sie sich in einem akademischen Feld, das den Zugang zu Bildung, Forschung und Lehre lange erschwerte, und eignet sich daher exemplarisch zur Untersuchung weiblicher und jüdischer Wissenschaftsbiographien in dieser Zeit.
Das Promotionsvorhaben geht den Forschungsfragen nach, welche Bildungswege und welche internationalen Netzwerke Heimann den Zugang zur Wissenschaft ermöglichten und welche Bedeutung diese für ihre Karriere haben. Außerdem wird gefragt, welches Bildungs- und Wissenschaftsverständnis Heimann vertrat. Auf der Grundlage der Untersuchung von Zeitzeug:innen-Interviews und fotografischen Quellen zielt die Arbeit ebenso darauf ab, aufzuarbeiten wie ihre Person im Erinnern konstruiert wird, welche Eigenschaften ihr zugeschrieben werden und welche Bedeutung diese Zuschreibungen für die Erinnerung an ihre Bildungs- und Wissenschaftsbiografie haben.





