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Zur Tagung: 'Pädagogische Institutionen des
Jugendalters in der Krise'?
an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg am 23. und 24. Juni 2022

In der historischen Konstitution von Jugend kommt pädagogischen Institutionen eine zentrale Rolle zu. Bildungsinstitutionen sowie Institutionen der Kinder- und Jugendhilfe gelten als zentrale Mechanismen zur (formalen) Durchsetzung der Jugendphase bzw. gar als ihre ‚soziale Infrastruktur‘. Sie werde dabei sowohl als Räume der Ermöglichung und Gewährung von sozialen und politischen Teilhabechancen verstanden als auch in ihren Normierungen, Regulationen und der Durchsetzung von Machtverhältnissen sowie -beziehungen in den Blick genommen.

Jugendliche positionieren sich gegenüber und verflochten mit diesen Institutionen unterschiedlich, erhalten jedoch als Generation, Gruppe oder auch als Einzelne insbesondere dann eine Stimme und erregen Interesse, wenn sie sich kritisch zu diesen verhalten. Erziehungswissenschaft wie Jugendforschung haben insbesondere die schulkritische Jugendbewegung Anfang des 20. Jahrhunderts, die Autonomie in der Jugendarbeit und Heimerziehung einfordernden Jugendlichen in den 1970er-Jahren und solche Gruppen in den letzten 30 Jahren zum Gegenstand gemacht, die die gesellschaftspolitischen Selbstverständnisse von Kinder- und Jugendhilfe, Berufs- und Schulbildung infrage stellen. Es sind historische Momente des Auseinanderdriftens von (sozial-)pädagogischen Institutionalisierungen und sich wandelnden Praktiken von Jugend auf der anderen Seite, die zu Krisen für die Institutionen des Jugendalters werden und diese zu Entwicklungen herausfordern.

In den letzten Jahrzehnten wird nicht nur mit Bezug auf die Schule, sondern zugleich auf die Kinder- und Jugendhilfe letztlich erneut der methodologische Institutionalismus in der Erziehungswissenschaft hinterfragt. Darüber werden nicht nur die sozialen Konstruktionen, Normierungen, Regulationen und Machtverhältnisse sowie -beziehungen pädagogischer Institutionen im Alltag junger Menschen in den Fokus erziehungswissenschaftlicher Forschung gerückt. Zunehmend wird auch nach dem Anteil gefragt, den die Erziehungswissenschaft selbst an deren Hervorbringung hat. Damit verwoben geraten pädagogische, soziale und politische Teilhabeversprechen auf den Prüfstand: Diagnosen von Krisen, Diskrepanzen zwischen gesellschaftlichem Demokratieversprechen und sozialer Fragmentierung, zwischen digitalisierten Jugendkulturen und analogen pädagogischen Zusammenhängen oder zwischen Wohlstandsrhetorik und Klimakrise sind seit langem offensichtlich und werden in ökologischen Bewegungen und rassismuskritischen Einwürfen angemahnt. Sie drücken sich nicht zuletzt in analog-digitalen Praktiken aus, über die sich jugendliche Alltagswelten verflochten mit, abseits von und/oder in Adaption von institutionalisierten Räumen herstellen. Die gegenwärtige globale Pandemie mit ihren Regulationen des öffentlichen Lebens gerade für junge Menschen und  ihre  weitgehende  Reduzierung  auf  Angehörige  privater  Haushalte  und  schulischer

Institutionen bei gleichzeitigem Transparentwerden von deren Organisations- und Qualitätsgrenzen, lässt wiederum die Frage offensichtlich werden, inwieweit pädagogische Institutionen und auch erziehungswissenschaftliche Forschung selbst diese Begrenzungen mit hervorgebracht haben. Mit der Tagung wollen wir diesen und anderen Krisen als Gegenstand erziehungswissenschaftlicher Jugendforschung Raum geben und laden Sie herzlich ein, daran mitzuwirken.

Drei Blickrichtungen wollen wir dabei einnehmen: historisch, gegenwärtig, prognostisch und zudem auch die wissenschaftsdisziplinäre Reflexion betonen. Damit wollen wir

• erstens nach  institutionellen  Krisen in jugendpädagogischen Feldern seit ihrer Entstehung fragen (historisch),

zweitens für die Gegenwart beobachten,welche Transformationspotentiale  für Institutionen des Jugendalters sich vor dem Hintergrund der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen ergeben (gegenwärtig),

drittens mit Blick auf mögliche Trendpraktiken Dynamiken in der Herausbildung von (neuen) Jugend-Institutionen identifizieren (prognostisch) und

viertens den methodologischen Institutionalismus in der erziehungswissenschaftlichen Jugendforschung zu reflektieren.

Erwünscht sind Beiträge aus der erziehungswissenschaftlichen Jugendforschung, die eine oder mehrere Blickrichtungen ins Zentrum stellen. Wichtig ist uns, dass wir den Diskussionsfaden um eine genuine erziehungswissenschaftliche Jugendforschung (wieder) aufnehmen und weiter voranbringen. Ziel ist es, die Institutionenperspektive innerhalb der erziehungswissenschaftlichen Jugendforschung zu schärfen und diagnostizierte Krisen offenzulegen, sodass sowohl ‚die Jugend‘ und ihre krisenhaften Institutionen als auch die Krise der Institutionen und (ihre) Jugend klarer konturiert werden (können).

Die Tagung ist auf maximal 80 Teilnehmer:innen begrenzt, da sie als Diskussionsforum geplant ist. Das Tagungsprogramm wird im Februar 2021 veröffentlicht.

Die Slots für die angenommenen Beiträge sind mit 40 Minuten (20 Minuten Vortrag und 20 Minuten Diskussion) veranschlagt, um Austausch und Diskussion zu ermöglichen.

Zudem ist ein Postersession geplant, für die gern Vorschläge eingereicht werden können.

Abstracts für Vorträge oder auch Poster im Umfang von max. 1.000 Zeichen inkl. Leerzeichen können bis zum 1.12.2021 unter der Emailadresse eingereicht werden.

Wir freuen uns auf spannende Beiträge!

Die Initiator:innen:

Karin Bock (Dresden)
Wolfgang Schröer (Hildesheim)
Cathleen Grunert (Halle)
Nicolle Pfaff (Essen)
Katja Ludwig (Halle)
Tobias Franzheld (Frankfurt)
Anja Schierbaum (Köln)


Programm zur Tagung


Anmeldung und Tagungsgebühr

… bitte bis  XXX unter:

Es wird eine gestaffelte Tagungsgebühr erhoben, über die die Verpflegung während der Tagung abgedeckt wird.

Bitte wählen Sie bei der Anmeldung eine Kategorie (Selbsteinschätzung): Kategorie 1: Professor_innen und vergleichbar Verdienende: 50,- Euro Kategorie 2: wiss. Mitarbeiter_innen und Vergleichbare: 30,- Euro Kategorie 3: Studierende: 20,- Euro

Abendessen am XXXX

Für das Abendessen ist ein Barbecue (auch vegetarisch!) im Lindenhof der Franckeschen Stiftungen geplant. Dafür ist eine zusätzliche Anmeldung erforderlich. Die Kosten belaufen sich auf 25,- € pro Person. Bitte vermerken Sie Ihre Teilnahme in der Anmeldung.

Bitte überweisen Sie Ihren Tagungsbeitrag mit dem Kennwort: "Tagung Jugendforschung" ab XXXX auf folgendes Konto: (ab Februar 2022)

Anmeldeformular
Anmeldeformular2.pdf (916,2 KB)  vom 09.06.2021


Unterkunft & Anreise

Bis zum XXX steht ein Kontingent zur Verfügung, Bestellformular hier auf unserer Webseite (ansonsten können Sie aber auch gern selbständig buchen, natürlich auch in anderen Hotels der Stadt):

the niu ridge // Marthahaus // Hotel am Steintor // Ibis styles // Apart-Hotel // Cityhotel am Wasserturm //Dormero Hotel // B&B Hotel

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